Kamintreff unterwegs

Kamintreff unterwegs in Lüneburg

In diesem Jahr hatten sich die Damen des Kamintreff für ihre Jahresfahrt die norddeutsche Stadt Lüneburg als Ziel ausgesucht. Elf Frauen machten sich mit der Bahn auf den Weg.

Von der Zerstörungswelle des Zweiten Weltkrieges verschont geblieben, präsentierte sich die Stadt mit ihren historischen, reich verzierten Häusern – leider im Regen.

Salz – das weiße Gold – bestimmte mehr als 1 000 Jahre die Geschicke Lüneburgs.

Die Saline machte die Stadt im Nordosten der Lüneburger Heide reich und berühmt. Sie hatte das Salzmonopol für Norddeutschland und die Ostseeanrainer.

Salz galt nicht nur als Zahlungsmittel und wichtiges Handelsgut, es wurde vor alllem für die Haltbarmachung von Lebensmitteln – Heringe, Fleisch, Gemüse – benötigt. 1980 stellte die Saline ihren Betrieb aus wirtschftlichen Gründen ein.

Zunächst führte uns der Weg jedoch zum Kloster Lüne. Während einer Führung erfuhr unsere Gruppe über die Gründung im Jahre 1172.

Im 13. Jahrhundert übernahm der Frauenkonvent die benediktinischen Klosterregeln. Nach einem verherenden Brand im Jahre 1372 wurde das Kloster bald wieder aufgebaut und bis ins 18.

Jahrhundert hinein um mehrere Gebäude erweitert. Im 16. Jahrhundert setzte sich nach starkem Widerstand der altgläubigen Nonnen die lutherische Lehre durch.

Seit dieser Zeit lebt der nun evangelische Konvent nach der Klosterordnung des jeweiligen Landesherren in einer Lebens-, Glaubens- und Arbeitsgemeinschaft.

Während eines Rundgangs und der Teilnahme an der abendlichen Vesper – ökumenisches Abendgebet von Kloster und Gemeinde Lüne mit gesungenen Psalmen, Lesungen und Momenten der Stille – bekamen wir einen kleinen Einblick in das ehemalige und heutige Klosterleben.

Das angeschlossene Textilmuseum zeigt wunderbare gestickte Altardecken, Fastentücher, Bandlaken und Teppiche aus dem 13. und 14. Jahrhundert.

Am Samstagvormittag ging es erst mal geschlossen in die Stadt – zum Shoppen.

Von den vielen kleinen Geschäften und dem Markt waren wir begeistert, aber nur wenige haben wirklich etwas eingekauft, zB. einen Regenschirm.

Bei einer abendlichen Führung am Samstag mit einem der 16 Nachtwächter durch die Altstadt Lüneburgs erfuhren wir einige Geschichten über die Stadt und ihre Bewohner. Beeindruckt haben uns die kleinen Gasssen mit den schönen, manchmal ziemlich schiefen Backsteinhäusern, die zum Teil auf dem „Senkungsgebiet“ erbaut wurden. Unter dem Senkungsgebiet befindet sich der Salzstock, wo 1 000 Jahre mit einfachen Mitteln und unkontrolliert das Salz abgebaut wurde.

Viele Häuser und sogar drei große Kirchen sind im Laufe der Jahrhunderte der Absenkung schon zum Opfer gefallen.

Ein Kantatengottesdienst in der St. Johanniskirche am Sonntagvormittag und eine Besichtigung des Wasserturms mit einem herrlichen Ausblick über die Stadt und die Umgebung bildeten einen gelungenen Abschluß unserer Fahrt.

Etwas müde, aber voller neuer Eindrücke kamen wir am Sonntagabend wieder wohlbehalten in Detmold an.

Anne Seer