Festkonzert 2017

Rückblick zum Festkonzert des MichaelisChores

Am 25. Juni im Lutherjahr 2017 feierten der MichaelisChor und das Bläser-Ensemble „Brasskamp“ die Erinnerung an den Beginn der Reformation auf die ihnen gemäße Weise, nämlich mit einem Konzert, das Martin Luther als Verfasser von Melodien und Texten des deutschsprachigen Gemeindeliedes besonders berücksichtigte. Luther liebte die Musik und empfand sie als wesentlichen Bestandteil des neu geordneten Gottesdienstes. Hatte er doch schon als Schüler der Eisenacher Lateinschule gern im Chor der Georgenkirche gesungen, in Erfurt neben der Theologie auch intensive musikalische Studien getrieben und das Lautespielen erlernt.

Michaelischor

Michaelischor unter Leitung von Annette Schmidt-Höngen

Sein bekanntestes Lied, das bekannteste protestantische Kirchenlied überhaupt, ist sicherlich „Ein feste Burg ist unser Gott“. Dieses stand in unterschiedlichsten Bearbeitungen von Lukas Osiander (1534–1604) bis Christian Sprenger (*1976) im Mittelpunkt des Konzerts. Die Choralfantasie des letztgenannten über „Ein feste Burg ist unser Gott“ eröffnete das Konzert. Das Bläser-Ensemble „Brasskamp“ unter seinem Leiter Gottfried Meyer überzeugte schon hier wie auch im weiteren Verlaufe des Abends durch Sauberkeit, Klarheit der Diktion und abgestufte Dynamik. Diese Eigenschaften zeichneten auch den nächsten Beitrag von Chor und Orgel aus. Felix Mendelssohn Bartholdys „Verleih uns Frieden gnädiglich“ auf einen Text von Luther erklang innig-verhalten mit immer neuen Anläufen, die sich subtil zur Vierstimmigkeit steigerten. Die ruhige Führung durch die Chorleiterin Annette Schmidt-Höngen und die sensible Begleitung des Chores durch St. Michaels „Hausorganisten“ Michael Schmidt an der Truhenorgel intensivierten dabei die Grundstimmung ergreifender Bitte, in die sich der Zuhörer einbezogen fühlte. Insgesamt zeigte sich der Chor als ein flexibler, in sich homogener Klangkörper, der sich den Stücken unterschiedlicher Epochen und Stile souverän anzupassen wusste. Besonders überzeugend gelangen die Stücke mehr lyrischer Prägung, aber auch die rhythmisch betonten oder bewegteren polyphonen Sätze wurden durchsichtig und kontrastreich dargeboten. Annette Schmidt-Höngen, die alles auswendig(!) dirigierte, bewies dabei einmal mehr ihre vollkommene Präsenz und ihre überlegenen Führungsqualitäten.

Chor und Orgel; Chor a capella; Chor, Bläser und Orgel; Soloquartett und Chor; Orgel solo; Blechbläserensemble – die vielfältigen Besetzungen mit ihren ganz unterschiedlichen Klangfarben sorgten allein schon für Farbenfülle und Abwechslungsreichtum. So boten u. a. die Doppelchöre von Heinrich Schütz („Jauchzet dem Herrn alle Welt“) und Johann Pachelbel („Singet dem Herrn ein neues Lied“), im ersteren Fall von Chor und Blechbläserensemble, im zweiten von Soloquartett und Chor vorgetragen (mit Rüdiger Meyer an der Orgel) schöne Echowirkungen und ein im spannungsvollen „Wetteifern“ kontrastreiches Farbenspiel. Beide „Zweitchöre“ passten sich sehr schön dem MichaelisChor als führendem Klangkörper an, wobei das Soloquartett mit Carolin Franke – Sopran, Susanne Benedikte Meyer – Alt, Lennart Hoyer – Tenor und Gottfried Meyer – Bass auch als in sich harmonischer Klangkörper einen neuen Farbakzent setzte.

St. Michaels schöne Orgel entfaltete sich grandios als Soloinstrument mit Mendelssohns Orgelsonate in d-moll über den Choral „Vater unser im Himmelreich“. Michael Schmidt intonierte das Thema zurückgenommen-verhalten und gab dann – kontrastreich phrasiert und registriert – jeder der sechs Variationen ihr individuelles Profil. Die Darbietung dieser Sonate war sicherlich einer der Höhepunkte des Abends. Aber auch Hinrich Luchterhands Orgel-Partiten über „Jesus Christus, unser Heiland, der den Tod überwand“ und „Vater unser im Himmelreich“ wurden in ihrer Farbigkeit vom Organisten sehr überzeugend dargeboten.

Brasskamp

Brasskamp unter Leitung von Gottfried Meyer

Die letzten Stücke, bei denen Michael Schmidt die Truhenorgel mit dem Klavier tauschte, standen mit zeitgenössischen Kompositionen im Zeichen festlichen Jubels. Das Konzert klang aus mit Greg Gilpins „Jubilate Deo“ für Chor, Blechbläser, Klavier und Bass (Matthias George). Zu diesem mitreißenden Schlussstück fanden sich fast alle Mitwirkenden noch einmal zusammen und setzten einen glanzvollen Schlusspunkt, der mit verdientem, lang anhaltendem Beifall belohnt wurde.

Susanne Bent

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